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Kulturwissenschaftliche Fakultät

Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit – Prof. Dr. Susanne Lachenicht

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Dissertationsprojekte

Julien Bérard

Kartographisches Wissen und Wissensvermittlung in der Frühen Neuzeit am Beispiel Abraham Ortelius.

Abraham Ortelius (1527-1588) war einer der bedeutendsten Kartographen der Renaissance. Sein Hauptwerk, das Theatrum Orbis Terrarum, gilt als Meilenstein in der Geschichte der Kartographie. Das Dissertationsprojekt untersucht am Beispiel des Ortelius Vorgänge der Produktion und Vermittlung kartographischen Wissens in der Frühen Neuzeit. Welche Quellen benutzte Ortelius für seinen Atlas? Wie wertete er beispielsweise Reiseberichte für seine Karten aus?

Sara Graveleau

Discrimination et tolérance en France et dans le Refuge au XVIIe siècle. L'itinéraire d'Henri Basnage de Beauval (1656-1710), avocat de la République des Lettres

(Co-tutelle zwischen der Université d'Angers und der Universität Bayreuth, Prof. Dr. Didier Boisson, Prof. Dr. Susanne Lachenicht, gefördert durch ein Stipendium der Pays de la Loire), abgeschlossen

Henri Basnage de Beauval, 1656 geboren, war ein normannischer Hugenotte, hervorgegangen aus einer Familie von Pastoren und Advokaten. Als Protestant war er wie viele seiner Glaubensbrüder zunehmend der Verfolgung durch die französische Krone und die katholische Kirche ausgesetzt. Beauval entschied sich nach der Revokation 1685 wie viele Andere für die Auswanderung und folgte seinem berühmten Bruder Jacques 1687 nach Rotterdam. Er übernahm die Redaktion von Pierre Bayles Nouvelles de la République des Lettres und wurde zu einem erbitterten Gegner Pierre Jurieus. Das Dissertationsprojekt zeichnet die Biographie Henri Basnage de Beauvals im Spannungsfeld von Hugenottenverfolgung, Toleranztheorie, -politik und Gelehrtenrepublik nach und fragt nach hugenottischen Typologien im Refuge.

Dr. Jürgen Hollweg

Informationsaustausch und Netzwerkstrukturen der Chemiker in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts

Das Projekt reiht sich ein in die Untersuchungen zur Gelehrtenrepublik in der Frühen Neuzeit. Während jedoch die Briefkontakte von Philosophen und Naturphilosophen in Europa bereits ausführlich bearbeitet worden sind, ist dies auf dem Gebiet der sich zu dieser Zeit ausbildenden Wissenschaft Chemie nur in Ansätzen geschehen. Es stellt sich die Frage, ob es einen umfangreichen brieflichen Informationsaustausch zur Diskussion chemischer Sachverhalte um 1600 gegeben hat und wer die beteiligten Akteure waren. Formen und Strukturen dieses Informationsaustausches sowie mögliche Einflussfaktoren sollen hier untersucht werden. Ebenso soll betrachtet werden, inwieweit das Wissen um chemische Zusammenhänge durch vorhandene Netzwerkstrukturen weiterentwickelt wurde und welche Schritte zur Entwicklung einer eigenständigen Disziplin Chemie aufgezeigt werden können.

Alexander Knirim

'An alle teutsche Einwohner der Provintz Pennsylvanien': deutschsprachige Druckerzeugnisse im Britisch-Nordamerika des 18. Jahrhunderts und die Konstruktion einer deutschsprachigen Community

Im Zentrum des Projekts steht die Frage, ob und wie sich die Herausbildung eines deutsch-protestantischen Untertanenverbandes (einer "nation" im frühneuzeitlichen Sinne) der britischen Krone in Britisch- Nordamerika in der Phase zwischen 1730 bis 1776 an deutschen Almanachen und Zeitungen in Pennsylvania erkennen lässt bzw. ob diese genau diesem Prozess dienen sollten. Oder fand eine Kreolisierung der deutschen Einwanderer in Nordamerika statt? Lässt sich gegebenenfalls diese an den hier zu untersuchenden Druckerzeugnissen ablesen? Für die Beantwortung der Fragen werden deutschsprachige Druckerzeugnisse in Nordamerika zwischen 1730 und 1776 herangezogen.

Maximilian Krogoll

Körper und Gebrechen im 18. Jahrhundert – Das Beispiel J.H.S. Formey

Im Mittelpunkt des Projektes steht die Korrespondenz des französisch-reformierten Pastors und ständigen Sekretärs der Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Jean Henri Samuel Formey (1711–1797). Im Spannungsfeld von Aufklärung und Protestantismus lässt sich an dieser fast ein Jahrhundert lang geführten Korrespondenz eine für die Kultur- und Mentalitätsgeschichte wichtige, bislang nicht ausreichend bearbeitete Frage erörtern, nämlich die nach der Wahrnehmung und Vermittlung von Körper, Krankheit, Gebrechen und Tod im „Milieu" protestantischer Pastoren. Pastoren erreichten „von der Kanzel" weite Teile der Gesellschaft des 18. Jahrhunderts und hatten dadurch entscheidenden Einfluss auf Körper-, Krankheits- und Todesvorstellungen und die damit verbundenen Praktiken. Als Leiter der Akademie der Wissenschaften zu Berlin war Jean Henri Samuel Formey zudem eng mit einigen der herausragenden Gelehrten seiner Zeit verbunden. Formeys Vorstellungen und Wahrnehmung von Körper, Krankheit, Gebrechen und Tod entstanden – so die Hypothese des Vorhabens – in einem überregionalen und auch transnationalen Kontext, im Spannungsfeld von Aufklärung und pastoraler Praxis vor Ort und wurden in diesem auch weitergegeben. Die Funktion Formeys als Vermittler von Wissen und Wahrnehmungsmustern ist hierbei von besonderer Bedeutung.

Franca Reif

Konfession und Buchwesen in der Frühen Neuzeit. Die Buchhandelsstädte Leipzig und Frankfurt/Main

Die Arbeit behandelt den Zusammenhang von Konfession und Buchwesen in den Buchmessestädten Leipzig und Frankfurt am Main zwischen ca. 1555 und 1648. Es wird gefragt, ob, wo und wie konfessionelle Interessen im Buchhandel eine Rolle gespielt haben. Einerseits sollen Konfessions- und Wirtschaftsgeschichte in diesem Projekt enger zusammengebracht, andererseits aber auch geprüft werden, ob die Konfessionalisierungsthese – also die Annahme, dass das gesamte gesellschaftliche und politische Leben von der Durchsetzung konfessioneller Interessen geprägt war –, im Bereich des Buchwesens angepasst oder revidiert werden muss. Dazu werden sowohl die Akteure als auch die beteiligten Institutionen in den Blick genommen, also Buchhändler und -verleger, Zensoren, Leser und Autoren sowie die jeweiligen Kirchen, städtische und territoriale Obrigkeiten und Zensurkommissionen.

Daniela Rosensprung

(Religiöse) Pluralität in einer lutherischen Reichsstadt? Der Umgang mit Fremden in Nürnberg (ca. 1555 bis 1648)

Das Dissertationsprojekt beschäftigt sich mit Zuzug und Existenz von Fremden in der lutherischen Reichsstadt Nürnberg zwischen dem Augsburger Religionsfrieden und dem Westfälischen Frieden. Es soll gezeigt werden, dass Nürnberg als Reichs- und internationale Handelsstadt religiös heterogener war, als von der Konfessions- und Stadtforschung bisher angenommen wurde. Beantwortet werden Fragen nach der demographischen und religiösen Zusammensetzung der unterschiedlichen Migrationsströme sowie nach den Strategien der Stadt im Umgang mit „Fremden“.

Ines Sonntag

Der Türkendiskurs in Toleranzdebatten der Frühen Neuzeit (Erstbetreuung Prof. Dr. Christoph Bochinger, Religionswissenschaft, Universität Bayreuth),

Gefördert durch ein Stipendium der Gerda-Henkel-Stiftung

Im 16. und 17. Jahrhundert gab es zahlreiche Schriften, die sich der Frage widmeten, wie mit den verschiedenen 'Christentümern' umzugehen sei, die im Zuge der Reformation und Konfessionalisierung entstanden. In diesen wurde immer wieder Bezug auf die 'Türken' genommen, die bis nach Wien vorgedrungen waren und eine reale militärische Bedrohung darstellten. Das Dissertationsprojekt widmet sich der Frage, wie im Rahmen konfessioneller Auseinandersetzung auf die 'Türken' Bezug genommen wurde und welchen Einfluss das Reden über den 'Türken' auf die Toleranzbegründungen der Zeit hatte. Welche Funktionen erfüllten die einzelnen Narrative (vom Antichrist bis zum Vorbild) in einem inner-christlichen Toleranzdiskurs? Und inwieweit half der 'Türke' gar bei der Lösung innenpolitischer Konflikte?

Dagmar Wahl

Der Dritte im Bunde. Zu Ehe und Ehebruch um 1800 (gefördert durch die Hanns-Seidel-Stiftung, Erstbetreuung Prof. Dr. Harald Neumeyer, FAU)

An der Schwelle zum 19. Jahrhundert ist die Ehe aufgrund ihrer machttechnologischen Implikationen ein brisantes Politikum, sie ist Gegenstand wissenschaftlicher Forschung und literarischer Auseinandersetzung. Mit der Analyse sowohl wissenschaftlicher Traktate als auch literarischer Texte widmet sich das Dissertationsprojekt der Rekonstruktion rhetorischer Muster, argumentativer Vernetzungen und verwandter Problemfiguren, die den Ehediskurs um 1800 strukturierten. Dabei fokussiert es zugleich eine kulturhistorische Umbruchssituation, bildet sich doch in der Romantik mit dem bürgerlichen Ehemodell eine gänzlich neue Ehekonzeption aus, welche die Liebe als Heiratsbasis postuliert.

Stefan Weiß

Koloniale Krisen und Imperiale Identität - Der Sepoy-Aufstand 1857 und die Reflexion der Amerikanischen Revolution in Großbritannien

Das Dissertationsprojekt beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit die sogenannte „Sepoy-Mutiny“ 1857 den Empire-Diskurs in Großbritannien veränderte und welche Rolle bei der Deutung der Ereignisse von 1857 die Erfahrungen der Amerikanischen Revolution spielten. Für das Vorhaben werden Parlamentsdebatten, Zeitungsartikel, Bildquellen und literarische Werke ausgewertet. Ziel des Projektes ist, den Begriff „Empire“ für das Großbritannien des 19. Jahrhunderts genauer zu definieren und zu untersuchen, wie die Krisen in den Kolonien die Bedeutung des Konzepts "Empire" verändert haben.


Verantwortlich für die Redaktion: Univ.Prof.Dr. Susanne Lachenicht

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